Bericht: Landesweiter Klimastreik am 14. Februar 2020

Am 14.02.2020 beteiligten wir uns am Landesweiten Klimastreik von Fridays for Future.

An der Auftaktkundgebung vor dem Stuttgarter Rathaus beteiligten sich ca. 300 Menschen. Mit verschiedenen Reden wurde auf die Thematik der Umweltzerstörung, des Klimawandels und der mangelnden Klimagerechtigkeit aufmerksam gemacht. Ebenfalls gab es zwei thematische Musikbeiträge, die für eine gute Stimmung auf der Kundgebung sorgten.

Nach der Abschlusskundgebung zog die Demo durch die Stuttgarter Innenstadt. Auf der Demo beteiligten wir uns mit verschiedenen Schildern, Doppelhaltern und einem Transparent, um die Proteste mit deutlichen antikapitalistischen Positionen zu ergänzen. Am Rande der Demonstration wurden mehrere Transparente aufgehängt mit Parolen wie “ Kapitalismus fügt Ihnen und Ihrer Umwelt erheblichen Schaden zu“. Ebenfalls wurde die Stuttgarter Innenstadt von einigen AktivistInnen mit Kreide verschönert. Parolen wie „Klima retten statt Banken retten“ zieren jetzt beispielsweise die BW-Bank. Eine kurze Abschlusskundgebung am Rotebühlplatz beendete die Demonstration. Anschließend zogen wir als spontane Demonstration über die Stuttgarter Königsstraße um noch zwei kleine Aktionen durchzuführen…

Hintergrund:

Aktuell baut der kanadische Konzern TC Energy eine Pipeline durch Gebiete der indigenen Wet´suwet´en – ohne ihre Zustimmung. Die Wet´suwet´en leisten Widerstand – dem von der kanadischen Regierung mit Repression begegnet wird. Blockaden und Checkpoints entlang der Pipeline wurden geräumt und einige AktivistInnen verhaftet.

Um uns solidarisch mit dem Widerstand der Wet´suwet´en zu zeigen, machten wir zusammen mit rund 30 Menschen verschiedener FfF Ortsgruppen zwei keine Aktionen am Milaneo und vor der kanadischen Botschaft. Mit einer selbstgebauten Mini-Pipeline, Kreidesprüchen auf dem Boden und einer Rede machten wir auf das Geschehen aufmerksam.

Insgesamt kann gesagt werden, dass es ein erfolgreicher und vielfältiger Tag war. Die FfF-Demo war kraftvoll, laut und durch die Aktion im Anschluss konnten wir Bezug auf internationale Kämpfe nehmen und Profiteure der Klimakrise aufzeigen.

Wichtig ist es, dass wir weiter auf die Straße gehen und unseren Protest gegen ein System, von dem nur wenige profitieren und das unserer aller Lebensgrundlage zerstört, deutlich machen.

Organisieren wir gemeinsam den Widerstand! Mach mit und komm zum Aktionstreffen Klimagerechtigkeit. Wir treffen uns jeden ersten Dienstag im Monat.

Das Nächste Treffen ist am Dienstag 03. März um 19:00 im Linken Zentrum Lilo Herrmann

Der Klimastreik am 29. November in Stuttgart

Am 29.11 beteiligten wir uns am Globalen Klimastreik in Stuttgart.

Am Erwin-Schoettle-Platz startete eine der drei Demonstrationen, die in Richtung des Stuttgarter Hauptbahnhof lief. An dieser Demonstration, an der ungefähr 2000 Menschen teilnahmen, beteiligten wir uns mit einem eigenen Bereich. Uns war es wichtig, die Proteste mit Hilfe von Schildern, Transparenten und Redebeiträgen um antikapitalistische Inhalte zu ergänzen. Am Rande der Demonstration wurden Schablonen mit verschiedenen antikapitalistischen Parolen gesprüht. Dem Dauerregen zum Trotz kamen am Hauptbahnhof schließlich um die 6000 Menschen zusammen. Nach Abschluss der Kundgebung zogen wir gemeinsam mit den BündnispartnerInnen vom antikapitalistischen Klimabündnis Kesselbambule los, um einen konkreten Profiteur der Umweltzerstörung stellvertretend für die gesamte kapitalistische Produktionsweise zu blockieren und zu markieren. Dafür zogen wir vor die BW-Bank Filiale auf der Königsstraße. Die LBBW, zu der die BW-Bank gehört, verdient wie alle große Banken (bis auf einige wenige) ihr Geld mit der Finanzierung von Waffenfirmen, Autokonzernen und Kohleenergieunternehmen. Gemeinsam mit 100 Menschen blockierten wir die Filiale und verschütteten Kohle, um auf die dreckigen Geschäfte der Bank aufmerksam zu machen. Ebenfalls wurde Kunstblut verschüttet, die Bank mit Plakaten beklebt und mit einem Stencil besprüht. Die Blockade war von Symbolischem Charakter und wurde nachdem eine Rede gehalten wurde wieder aufgelöst.

Insgesamt konnte an die vorherigen Proteste erfolgreich angeknüpft werden, auch wenn an diesem Streik weniger Menschen als am 20. September teilgenommen haben. Jedoch hat sich gezeigt, dass die Klimabewegung, trotz Abflauen der gesellschaftlichen Dynamik, weiterhin fähig ist viele Menschen auf die Straße zu bewegen. Nun ist es wichtig, diesen Protest und auch den Widerstand gegen die Profiteure der Klimakrise weiterhin aufrecht zu erhalten und voranzutreiben.

Am 3. Dezember ist unser nächstes offenes Treffen. Wir wollen die Aktionen am Klimastreik am 29. November nachbereiten und planen, wie wir die nächste Zeit gestalten können.

Dienstag 3. Dezember 19:00 Linkes Zentrum Lilo Herrrmann (Böblingerstr. 105)

Am 9. Dezember wollen wir gemeinsam den Film „Die grüne Lüge“ schauen. Der Film kritisiert Greenwashing, den Versuch großer Unternehmen, ihre Produkte ökologisch darzustellen, und stellt die Frage, wie wir wirklich ökologisch produzieren können.

Im Rahmen der Demonstration wurde ein Text, der den Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Klimakrise erläutert, verteilt. Diesen findet ihr hier.

Hier findet ihr die Rede, die bei der Blockade der LBBW gehalten wurde:

Liebe Genossinnen und Genossen,

Wir sind heute hier, weil wir die LBBW blockieren. Die LBBW wird von uns symbolisch blockiert, weil sie ein Profiteur der Klimazerstörung und dem damit einhergehenden Klimawandel ist. Wir wollen das hier und heute deutlich aufzeigen.

Die LBBW ist hierbei nicht nur irgendein Akteur. Sie sind mit ihren Geschäften überall da dabei, wo unser Planet, seine Ressourcen und Ökosysteme für Profit ausgebeutet und zerstört werden. Beispielsweise hält die LBBW Aktien am amerikanischen Ölkonzern BP. Dieser Konzern ist mit über 2% der weltweiten CO2-Emissionen der drittgrößte CO2 Emittent der Welt. Die Bilder der Ölteppiche, ausgelöst durch die BP Bohrinsel „Deepwater-Horizon“ im Jahr 2010 haben hier bestimmt noch einige vor Augen. Bis heute leidet die Flora und Fauna unweit des Golfs von Mexiko unter den Folgen. Generationen von Menschen wurden durch den Umweltschaden vergiftet und trugen teils irreparable gesundheitliche Schäden davon. All das, weil bei Sicherheitsvorkehrungen gespart wurde, um maximalen Profit auf Kosten der Umwelt zu erwirtschaften.

Auch die ach so harmlose LBBW ist in viele dreckige Geschäfte verwickelt. Sie stellen Kapital für Rüstungsunternehmen, große Autokonzerne und Kohlestromproduzenten. Doch sie sind natürlich nicht die einzigen, die von Ressourcenausbeutung und dem Geschäft mit dem Klimawandel profitieren. Die Liste ist lang.

Wir leben in einem System, das auf dauerhaftem Wachstum basiert. Jedes Quartal müssen immer höhere Profite erwirtschaftet werden. Dies kann nur im unauflösbaren Gegensatz zu unseren natürlichen Lebensgrundlagen stehen. Denn wir leben auf einer endlichen Welt mit endlichen Ressourcen. Ewiges, auch grün angestrichenes, Wachstum ist eine Illusion.

In diesem Wirtschaftssystem, dem Kapitalismus, profitieren jene, die Mensch und Natur maximal ausbeuten. Nur durch einen konsequenten und nachhaltigen Bruch mit diesem System kann Umweltschutz auf eine gerechte und dauerhafte Art und Weise umgesetzt werden.

Denn eines ist für uns klar: Nicht einzelne Konsumentinnen und Konsumenten sind für den Klimawandel und die Umweltzerstörung verantwortlich.

Nein! Es sind die großen Banken und Konzerne, die mit ihren wortwörtlich dreckigen Geschäften fette Profite einfahren.

Lasst uns ihnen gemeinsam einen Strich durch ihre Rechnung machen. Streiken wir, blockieren wir, greifen wir sie an. Zeigen wir den Profiteuren der Umweltzerstörung, dass wir wissen, womit sie ihre Geschäfte machen. Lassen wir nicht zu, dass sie weiterhin auf Kosten unser lebenswerten Zukunft ihre Schweinereien weiterführen.

Doch mit Streiks und Appellen ist noch nicht alles getan. Wir müssen eine Bewegung aufbauen, die wirklichen Widerstand gegen dieses System organisiert. Wir brauchen einen wirklichen Wandel in der Art und Weise, wie wir wirtschaften, also wie wir produzieren, konsumieren und miteinander umgehen. Organisieren wir uns für eine revolutionäre Perspektive! Nur so können wir eine Gesellschaft erreichen, in der wir solidarisch miteinander leben können und das auf Dauer.

Aufruf von Kesselbambule zum 29. November

Am 29.11.2019 ruft Fridays for Future bereits zum vierten Mal zum Global Strike auf. Als Stuttgarter Aktivist*innen für Klimagerechtigkeit, die sich im Bündnis Kesselbambule zusammengefunden haben, schließen wir uns der Demonstration von Fridays for Future an. Außerdem rufen wir darüber hinaus zu vielfältigen weiteren Aktionen auf.

Ohne einen radikalen Wandel in der Klimapolitik und der notwendigen Abkehr von der kapitalistischen Logik, werden wir die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen nicht aufhalten können. Anfang Dezember wird die UN-Klimakonferenz (COP) in Madrid tagen und die Bundesregierung steht mit leeren Händen da. Sie scheitert nicht nur an ihren internationalen Verpflichtungen zur Einhaltung des 1,5°-Ziels, sondern sogar an ihren eigenen – deutlich darunter liegenden – Klimazielen für die Jahre 2020 und 2030.

Seit mehr als einem Jahr widersetzen sich hunderttausende Schüler*innen und zahlreiche Verbündete diesem Zustand und machen lautstark auf diese Krise aufmerksam. Dahingegen hetzen Konservative und Rechte aller Couleur gegen die Proteste. Alles geht seinen gewohnten Gang, obwohl die wissenschaftlichen Fakten seit vielen Jahrzehnten offensichtlich sind.

Die natürlichen Ressourcen werden geplündert und überlebenswichtige Gebiete wie der Amazonas-Regenwald werden zerstört. Gleichzeitig blicken wir voller Wut nach Rojava, wo Menschen auch durch deutsche Waffen sterben. Die Errungenschaften einer emanzipatorischen Gesellschaftsordnung, die auf ökologischen, feministischen und basisdemokratischen Werten beruht, werden angegriffen. Nicht nur dort wird deutlich: die Bedürfnisse der Menschen und der Natur überall auf der Welt sind bedeutungslos, wenn es darum geht, die Interessen der Herrschenden mitsamt der kapitalistischen Produktionsweise durchzusetzen. Die größten Profiteure dieser Ordnung, die täglich millionenfaches Leid und massive Umweltzerstörung verursachen, sind Konzerne und Banken, da sie nach der Maßgabe maximaler Profite handeln und investieren. Regierungen und Staaten überall auf der Welt verteidigen diese mörderischen Zustände.

Wir müssen grundlegend die Art ändern, wie wir konsumieren, produzieren und Entscheidungsprozesse in der Gesellschaft organisieren. Der Kapitalismus hat aus seiner inneren Logik heraus, dem stetigen Wachstum der Profitraten und der Konkurrenzwirtschaft, kein Interesse an einer gerechten und nachhaltigen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Wir müssen diesen Systemwandel selbst durchsetzen – kreativ, solidarisch und widerständig.

Lasst uns dafür gemeinsam mit Fridays for Future nach den Demonstrationen beim GlobalStrike am 29. November ein sichtbares Zeichen setzen und symbolisch für die gesamte Produktionsweise einen Profiteur der Klimakrise blockieren, aufzeigen und diesen Normalzustand sichtbar stören. Lasst uns gemeinsam dem Kapitalismus den Stecker ziehen.

Bringt eure Freund*innen, eure Wut auf die Zerstörung unserer Zukunft und Regenschirme mit.

https://kesselbambule.de/

Klimastreik am 29. November in Stuttgart

Am 29. November ist wieder globaler Klimastreik. Gründe zu streiken gibt es genug. Das neue Klimapaket der Bundesregierung zeigt: Nur durch Appelle an die Regierung wird sich nichts ändern. Wir müssen es selber machen, wir brauchen keinen Neustart der Regierung. Was wir brauchen, ist ein anderes System!

Deshalb werden wir uns mit vielen anderen am Klimastreik beteiligen und die Profiteure der Klimakrise klar benennen. Kommt mit uns auf die Straße – für eine solidarische Gesellschaft, die sich an den Bedürfnissen der Menschen und nicht an Profit orientiert.

Treffpunkt:
29. November 2019
11.30 Uhr
12.00 Uhr – Beginn Demo
Erwin Schoettle Platz

Proteste gegen den „Auto-Gipfel“ der Automobil-Lobby

Am Freitag, den 25. Oktober fanden Proteste gegen den „Auto-Gipfel“ statt, der dieses Jahr im Stuttgarter Porschemuseum stattfand. Für 2.600 € Eintritt konnten dort die TeilnehmerInnen verschiedenen Vorträge der Top-EntwicklerInnen und Vorstände von Daimler, Porsche, VW, BMW und BP lauschen. Kurz gesagt: Ein Treffen der Reichen und Mächtigen der Autoindustrie, der Kapitalisten und Profiteuren der Klimazerstörung mit potenziellen neuen GeschäftspartnerInnen…

Anstatt der wöchentlichen „Fridays for Future“ Demo in der Innenstadt riefen verschiedene Organisationen aus dem linksliberalen und verkehrspolitischen Spektrum zu einer gemeinsamen Demo auf.

Als Teil des zum Klimastreik am 20. September organisierten Blockadebündnisses Kesselbambule unterstützen auch wir die Demo. Ein Blockadeaufruf mit Aktionskonsens sollte die Proteste gegen das Treffen der Auto-Lobby erweitern und ihnen eine konkrete Handlungsperspektive aufzeigen. Zudem schrieben wir ein Flugblatt für PassantInnen, VerkehrsteilnehmerInnen und Porsche-ArbeiterInnen, in dem wir erklärten, dass sich unser Protest gegen die Bosse und nicht sie richtet.

Am Tag selbst zogen wir am Rand der Abschlusskundgebung mit einer Gruppe vor die Tiefgaragenausfahrt. Mit der Aktion sollte symbolisch deutlich gemacht werden, dass wir nichts von dem „Auto-Gipfel“ halten und das Treffen der Bonzen und Klima-Killer zumindest ein wenig vermiesen wollen.

Die Ausgänge für FußgängerInnen waren mit Hamburger Gittern abgezäunt und von einem privaten Security-Dienst bewacht, so dass dort der Aktionsspielraum für die überschaubare Zahl an Protestierenden nicht gegeben war. Stattdessen konzentrierten wir uns daher auf die Ein- und Ausfahrt, die so tatsächlich mehrere Stunden lang blockiert werden konnte.

Letztlich konnten wir einige interessante Gespräche führen, antikapitalistische Positionen vertreten und gemeinsame Aktionserfahrungen machen. Leider ist es nicht gelungen, den ArbeiterInnen von Porsche unsere Positionen und unsere Solidarität verständlich zu vermitteln, was wir selbstkritisch reflektieren und uns bei kommenden Aktionen stärker auf diesen Aspekt fokussieren wollen.

Es wird jetzt unsere Aufgabe sein innerhalb der Klimagerechtigkeitsbewegung weiter Diskussionen zu führen, Aktionsformen weiterentwickeln und Profiteure der Umwelt- und Klimazerstörung aufzeigen.